11. Hilfsgütertransport von Enniger nach Tulcea,
Rumänien vom 15. – 22. Juni 2012

20 Jahre Hilfstransporte nach Rumänien

Enniger hilft Kindern - Reiesebericht 2012

Pünktlich um 17.00 Uhr, am Freitag, den 15.Juni 2012 startete der 11. Hilfsgütertransport von der Mauritiusstraße in Enniger ins Donaudelta Rumäniens.

Bis dahin hatten viele fleißige Helfer, bei denen ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanke, ca. 40 t Hilfsgüter sortiert und auf zwei Sattelzüge verladen.

Neben der gemieteten Lagerhalle der Schützenbruderschaft hat uns die Firma B-Logistik (Hubertus Beumer) Ennigerloh, kostenlos ausreichende Lagerhallen im ehemaligen Profilia-Gelände zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

Im Einzelnen handelte es sich um:
- 80 Betten einschl. Bettzeug (Kinderheim)
- 19 Krankenbetten einschl. Nachtschränkchen gespendet vom St.-Josef Stift, Sendenhorst (Bezirkskrankenhaus Tulcea)
- ca. 6.000 neue Kleidungsstücke gespendet von der
Firma Bruno Kleine, Marienfeld
- 3,7 t Grundnahrungsmittel: Mehl, Oel, Nudeln, Reis, Erbsen und Zucker (Kinderheim)
- Babynahrung, Milch, Joghurt und Milchreis gespendet von der Humana Milchindustrie
- 2 Kühlschränke (Kinderheim)
- 2 Gefriertruhen (Kinderheim)
- 10 Bügeleisen (Kinderheim)
- 20 generalüberholte Fernsehgeräte gespendet von der Firma Radio Arnemann. Vorhelm (Kinderheim)
- 10 gebrauchte PC – Anlagen von der Firma Beumer, Beckum (Kinderheim)
- 1 Solaranlage für Brauchwasser einschl. Speicher (Kinderheim)
- Bettwäsche (Kinderheim)
- 1 Schultafel gespendet vom Berufskolleg, Warendorf - Arnold Kottenstedde - (Kinderheim)
- div. Kücheneinrichtungsgegenstände wie Aufschnittmaschinen, Edelstahltische
- Küchenzubehör (Kinderheim)

Die Fahrt ging durch Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien (2.382 km) ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die Straßenverhältnisse
haben sich in Rumänien seit der Mitgliedschaft in der EU stark verbessert. Auch die Grenzübergänge waren problemlos.


Ankunft in Tulcea : 17.6.2012 um 11.30 Uhr.

Der 11. Hilfskonvoi bestand aus zwei Sattelzügen und einem Wohnmobil als Navigations- und Versorgungsfahrzeug.
Die beteiligten LKW stammen von den folgenden Unternehmen, die wie bereits in den vergangenen Jahren, ihre im erstklassigen Zustand befindlichen Fahrzeuge unserer Rumänien Hilfsaktion kostenlos zur Verfügung stellen.


NVG – Nutzfahrzeuge, Paul Horstmann, Beckum
Deltrans GmbH, Geschäftsführer Wolfgang Bönisch

Seit vielen Jahren wird das Wohnmobil von der Firma MS-Reisemobile, Münster, zu einem günstigen Mietpreis zur Verfügung gestellt.

Folgende Teilnehmer haben den Hilfstransport begleitet: (in alphabetischer Reihenfolge)

Wolfgang Bönisch, Dieter Fiehe und Günter Fischer
Dominik und Rudolf Fissahn, sowie Hubert Gersmann
Reinhard Kottlarz, Thomas Meinberger, Mario Oynhausen
und Mark Wieler.

Da zu unserem üblichen Termin Ende April, Anfang Mai unser Kontaktmann und Dolmetscher Richard Wagner nicht vor Ort sein konnte, wurde der 11. Hilfstransport auf den Termin Mitte Juni verlegt. Mit der Hitzwelle bis fast 40° und der Mückenplage hatte jedoch niemand gerechnet.

Enniger hilft Kindern - Reiesebericht 2012

Erstmalig wurde der Transport von dem Nachfolgeverein der Schützenbruderschaft/Rumänienhilfe „Enniger hilft Kindern“ durchgeführt. Der Vereinsname hat sich zwar geändert, die handelnden Personen sind jedoch fast die gleichen geblieben.
Es gab aber auch einige grundlegende Veränderungen. Es wurden z. B. keine gebrauchten Kleidungsstücke mehr gesammelt und in den Dörfern und im Forum verteilt. Auch die Lebensmittelverteilung in den Dörfern rund um Tulcea wurde eingestellt. Hier war es in der Vergangenheit häufig zu Tumulten gekommen.
Schwerpunkt: Hilfe für Kinder, denn die Zustände in den Kinderheimen sind nach wie vor katastrophal.

Der Hilfstransport wurde verantwortlich vorbereitet und organisiert von:
Günter Fischer, Wolfgang Bönisch und Dominik Fissahn

Bevor wir am 15. Juni starten konnten, gab es eine Menge Arbeit zu erledigen. Der Transport selber ist anstrengend, das ist keine Frage. Die Zeit der Durchführung ist mit einer Woche sehr knapp bemessen, so dass alles gut durchorganisiert sein muss und alle immer und überall mit anpacken müssen. In diesem Jahr kam die schön erwähnte Hitzewelle und Mückenplage dazu, die uns ganz schön zu schaffen machten.
Es bleibt aber unbenommen, dass der größte Anteil der Arbeit im Vorfeld zu erledigen ist, und daran sind eine Menge Leute beteiligt.
Da werden Weihnachts- und Trödelmärkte organisiert und durchgeführt, da gibt es einen Stand auf dem Enniger-Markt, da werden Spenden gesammelt. Die Kleidung von Bruno Kleine muss geholt und von den immer helfenden Frauen sortiert und verpackt werden. Die Hilfsgüter müssen von den Lieferfirmen abgeholt sowie sortiert werden. LKW werden überführt - vor der Abfahrt ist es immer turbulent!
Aber nun zurück nach Tulcea.
Am Sonntag, den 17. Juni wurden wir, wie bereits in den Vorjahren, von Richard Wagner am Stadtrand von Tulcea in Empfang genommen. Richard Wagner ist Präsident der Beatrix Stiftung des deutschen Demokratischen Forums und Rumäne mit deutschen Wurzeln, wie sein Name schon sagt. So obliegt Richard Wagner auch die Organisation vor Ort, die sich nicht immer so einfach gestalten lässt. Zunächst gibt es meistens große Probleme.

Routine ist mittlerweile der Aufbau unseres Camps in der Nähe eines ausgedienten Hotels fast mitten in Tulcea.
Gleich am Sonntag wurden auch die mitgebrachten Kleiderpakete ausgeladen. Da das Forum keine eigene Lagermöglichkeit mehr hat, wurden die Pakete in der Fabrikhalle von Richard Wagner eingelagert. Mitglieder des deutschen Forums haben dann später die Verteilung an hilfsbedürftige Familien selber erstmalig vorgenommen.
Nächster Anlaufpunkt war das Kinderheim Speranca. Hier leben ca. 200 Kinder im Alter von 0 – 18 Jahren. Dies sind Waisenkinder, Kinder von mittellosen, kinderreichen Eltern und geistig behinderte Kinder. Die Kinder leben in vier verschiedenen Häusern.

Die gesamte Anlage machte einen stark heruntergekommenen Eindruck. Die überquellenden Mülltonnen verbreiteten bei der Hitze einen bestialischen Gestank. Die Gebäude sind zum größten Teil sehr alt. Die meisten Fenster sind vergittert. Die sanitären Anlagen sind marode. Die Freiflächen/Hofflächen sind teilweise mit Schotter befestigt, teilweise begrünt. Spielmöglichkeiten sind so gut wie nicht vorhanden (1 Turnstange).
Zunächst musste das gesamte Material für die Solaranlage abgeladen werden. Hier wurden alle Hände gebraucht. Am nächsten Tag ging es dann in zwei Arbeitsgruppen weiter.

Thomas Meinberger, Mario Oynhausen, Mark Wieler und Rudolf Fissahn erledigten den Einbau und die Erweiterung der Solaranlage um weitere 2.000 l Brauchwasser. Insgesamt stehen jetzt 4.000 l Brauchwasser zur Verfügung. Zwei Tage später konnte die erweiterte Anlage in Betrieb genommen werden, sehr zur Freude der Kinder, denn nun ist wirklich für alle genügend Wasser für eine heiße Dusche vorhanden. Für uns eine Selbstverständlichkeit, für die Kinder dort ein wenig Luxus im tristen Alltag.

Enniger hilft Kindern - Reiesebericht 2012

Die zweite Gruppe besetzt mit Günter Fischer, Wolfgang Bönisch, Dieter Fiehe, Hubert Gersmann, Reinhard Kottlarz und Dominik Fissahn hat den teilweisen Aufbau der Betten einschließlich Bettenbezug vorgenommen und die restlichen, für das Kinderheim vorgesehenen Hilfsgüter, abgeladen.

Enniger hilft Kindern - Reiesebericht 2012

Die Freude der Kinder war riesengroß, als sie sich das erste Mal in „ihr“ neues Bett legen durften. Die neuen Betten bestehen aus massiver Fichte. Die alten Betten, bestehend aus roh zusammen gezimmerten Spanplatten, ohne Lattenrost, nur mit einer Schaumstoffmatratze, wurden gleich entsorgt. Unsere Hundekörbchen sind besser ausgestattet!
Die Zimmer der „Großen“ sind mit 4 – 6 Betten sowie Spinden (ebenfalls aus einem früheren Hilfstransport aus Enniger) und jetzt mit einem Fernseher von Radio Arnemann ausgestattet. Außer einer abgewetzten Zahnbürste, und in einigen Fällen ein wenig Zahnpasta befand sich nichts in den Schränken. Wäsche zum Wechseln war nicht vorhanden.

Enniger hilft Kindern - Reiesebericht 2012

Die Überraschung war groß, als alle Kinder nach dem Mittagessen einen Kulturbeutel mit folgendem Inhalt bekamen: Zahnbürste und Zahnpasta, 200 x gespendet von der Zahnarztpraxis Dres. Hesseling aus Oelde. Vielen Dank im Namen der Kinder. Neben einer süßen Tüte waren auch noch Duschgel und Shampoo in der Tasche. Das Strahlen der Kinderaugen war mehr als tausendmal „Dankeschön“
Große Begeisterung gab es auch, als die mitgebrachte Schultafel vom Berufskolleg WAF ausgeladen wurde. Mit der ebenfalls mitgebrachten Kreide wurden die schönsten Bilder gemalt. Eine willkommene Bereicherung für den Schulbetrieb des Kinderheims.
Auch die Globen und Weltkarten, gestiftet von der Firma Venti aus Oelde, wurden gerne in Empfang genommen.

Enniger hilft Kindern - Reiesebericht 2012

Weiter im Gepäck hatten wir Tennisnetze, Tennisschläger, Basketballkörbe, Volleyballnetze, Trikots und Bälle in allen Größen.
Die sehr veraltete Kücheneinrichtung haben wir ergänzt mit neuen Kühlschränken, Gefriertruhen, Edelstahltischen, Aufschnittmaschinen, Töpfen und Messern in verschiedenen Größen.
Für den Waschraum hatten wir 10 Handwaschbecken einschließlich Armaturen dabei.
Weiter konnten viele Kartons mit Kleidung, gestiftet von Bruno Kleine, übergeben werden.
Die Vorratskammer wurde mit Grundnahrungsmitteln wie Zucker, Erbsen, Reis, Nudeln, Mehl und Oel aufgefüllt.
Nächste Station war das Bezirkskrankenhaus in Tulcea. Hier haben wir die 19 Betten und Nachtschränkchen übergeben (St.-Josef-Stift, Sendenhorst).

Nach drei Tagen waren beide Sattelzüge leer, das Thermometer der Solaranlage zeigte 60 ° an, alle Helfer waren erschöpft, aber zufrieden mit dem Erfolg. Bei einem abschließenden Gespräch mit der Leitung und allen Betreuern des Kinder-/Waisenheims mit erfrischenden Getränken und Knabbersachen haben wir gemeinsam festgestellt, dass es noch so viel zu tun gibt und versprochen, nach Möglichkeit in zwei Jahren wiederzukommen.

Am Mittwoch, dem 20. Juni hieß es Abschied nehmen. Nach einem guten Frühstück wurde unser Lagerplatz aufgeräumt und alles verstaut. Die übrig gebliebenen Pakete verteilten wir an unsere Helfer. Gegen Mittag brach unser Konvoi von Tulcea auf. Wir wurden von Richard Wagner bis zur nächsten Tankstelle begleitet, haben alle Tanks gefüllt und uns verabschiedet mit dem Versprechen wieder zu kommen.
Dank der Navigations- und Funkgeräte, die seit 20 Jahren vom Lohnunternehmen Becklas zur Verfügung gestellt und von Robert Gersmann eingebaut werden, verlief die Rückreise problemlos.

Für das leibliche Wohl sorgte in bekannter Manier Reinhard Kottlarz. Einige Gerichte waren bereits von Andreas Spitthöver vorbereitet worden. Vielen Dank dafür.

Gegen 1.00 Uhr am Freitag erreichte der Konvoi Enniger. Bei der ehemaligen Spedition Hartmann (heute Ottofrickenstein) wurden wir von unseren Familien empfangen. Nach einem kurzen Umtrunk waren alle rechtschaffen müde, wir konnten den 11. Hilfskonvoi glücklich und zufrieden beenden.

 

TUE GUTES UND REDE DARÜBER

So schrieb Pfarrer Karl Kemper in einem unserer früheren Reiseberichte. Gern wäre er beim 11. Hilfstransport dabei gewesen, konnte leider wegen Terminüberschneidungen nicht. Schade!
Der Hilfstransport 2012 hat Hilfsgüter ohne Umwege und Verwaltungskosten den Menschen gebracht, die es dringend benötigen.
Dafür sagen wir noch einmal allen Spendern, Helferinnen und Helfern, allen Förderern und allen, die uns auf irgendeine Art unterstützt haben, einen ganz herzlichen Dank.

 

Enniger, im November 2012
Rudolf Fissahn